SCHWARZER PETER

Der Blog des Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Tauber

Tauber trifft… Dr. Bernhard Vogel

Heute Abend war Dr. Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, ehemaliger Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung und christlich-demokratisches “Urgestein” zu Gast im Langenselbolder Schloss. Wir wollten gemeinsam über Werte und Bildung sprechen. Trotz des schlechten Wetters war der Saal gut gefüllt. Mehr als 80 Zuhörer waren gekommen und längst nicht alle waren Parteimitglieder der Union. Nach meiner Begrüßung legte Bernhard Vogel auch gleich los. Grundlage für das Leben in Deutschland sei die gemeinsame Geschichte und die Schicksalsgemeinschaft, die die Deutschen aneinander binde. “Wir sind Erben unserer Kultur.” war einer der prägnanten Sätze Vogels.

Kurz ging Vogel dabei auf die geistesgeschichtlichen Wurzeln Europas ein, die er in Athen, Rom und Jerusalem verortete und deren Prägekraft noch heute gelte. Darüber gebe das Grundgesetz die “Hausordnung” für die Bundesrepublik Deutschland vor, deren Kernsatz sicherlich der Art. 1 “Die Würde des Menschen ist unantastbar” sei. Vogel: “Wer bei uns zu Besuch ist, der muss sich nicht zwingend an die Hausordnung halten. Aber wer eine Wohnung mietet, der schon.” Damit machte er die Werte des Grundgesetzes zum Kernpunkt der Integration. Der Union maß er dabei eine besondere Aufgabe unter den politischen Parteien zu. Aus ihrer Geschichte heraus sei die Union die “Partei der ausgestreckten Hand”. Aufgrund der Erfahrungen des Nationalsozialismus hätten sich die Gründerväter der CDU bereits vor Kriegsende vorgenommen, dass in einer künftigen Partei jung und alt, Menschen aus allen Regionen des Landes, unterschiedlicher Konfession und aus verschiedenen sozialen Schichten gemeinsam für das Land zu arbeiten.

Vogel empfahl in diesem Zusammenhang eine Blick ins Grundsatzprogramm der CDU. Dort sei klar niedergelegt, dass die Union auf drei Säulen ruhe; einer christlich-sozialen, einer liberalen und einer wertkonservativen. Dann ging Vogel entlang der Frage, ob die von ihm skizzierten Werte noch Gültigkeit hätten auch auf aktuelle politische Fragen von der Energiewende über die Aussetzung der Wehrpflicht bis hin zu ACTA ein. Zu Bildungspolitik kritisierte er bspw. die Debatte um Schulformen. Es sei relativ leicht, das Schild “Hauptschule” abzuschrauben und an dessen Stelle das Schild “Realschule plus” zu setzen. Dies sage aber nichts über die Chancen für Schüler aus, gemäß ihren Begabungen gefördert zu werden. Vogel: “Bildungspolitik heißt nicht, jedem die gleiche, sondern jedem seine Chance zu geben.” Besonderen Wert legte er auch auf das Thema Europa. Er erinnerte daran, dass er noch das in Trümmern liegende Deutschland erlebt habe. Deswegen dürfe man bei allen aktuellen Debatten um die Staatsschuldenkrise und mögliche Hilfsmaßnahmen nicht vergessen, was Europa vor allem bedeute. Vogel wörtlich: “Europa ist ein anderes Wort für Frieden.”

Dann hatten alle Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und unheimlich viele Themen wurden angesprochen. Der Bundespräsident, der Berliner Kreis der CDU, die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft, die Eigenverantwortung des Bürgers, Politikverdrossenheit und Wahlbeteiligung. Es war spannend und die Antworten von Bernhard Vogel waren klug und wohlüberlegt. Mir hat gut gefallen, dass er beispielsweise das Internet als Grundlage für revolutionäre Veränderungen beschrieben hat, die aber nicht dazu führen müßten, dass man grundsätzliche Werte in Frage stellt. Bei der Nachfrage zu ACTA war Vogel so ehrlich, dass er zugab, nicht alle Details zu kennen und zu verstehen, sondern nur die Berichte darüber gelesen zu haben. Er gehe davon aus, dass dadurch keine neuen Gesetze in Deutschland notwendig seien und gab den Ball aber dann indirekt an mich weiter. “Dass müssen die Abgeordneten des Bundestages entscheiden. Einen haben Sie hier.” Ich habe dann erklärt, dass mich vor allem stört, dass ich auf den Inhalt keinen Einfluss habe, aber nun entscheiden soll und auf die mit Thomas Jarzombek und Daniel Caspary geplante Veranstaltung in Berlin verwiesen.

Am Ende macht Vogel vor allem der jungen Generation Mut. Sie sollten an die Zukunft glauben und sich etwas zutrauen. Er sei sicher, dass sie die vor ihnen liegenden Aufgaben meistern würden – und die Union mit ihren Werten und Überzeugungen sei dabei ein guter Wegbegleiter und Partner. Einer der Zuhörer schrieb auf twitter: “#tauber trifft war kurzweilig, werteorientiert und unterhaltsam.” Dem kann ich mich nur anschließen und freue mich auf den nächsten Gast.

Eine Antwort auf Tauber trifft… Dr. Bernhard Vogel

  1. fschuech 14. Februar 2012 um 22:32

    Da hab’ ich wohl was verpasst. Wäre gerne dabei gewesen…Schade!

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